Stadtinformationen

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Das Wasserschloss Sachsenheim

Das Wahrzeichen der Stadt ist das in fünfjähriger Bauzeit aufwändig restaurierte Wasserschloss aus dem 15. Jh. Das Jahrhundertprojekt stellte Architekten, Restauratoren, Bauarchäologen, Statiker und Fachfirmen vor große Herausforderungen. Nun kann das Schloss zumindest virtuell wieder besichtigt werden.

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Die Generalsanierung des Wasserschlosses

Die Generalsanierung des Wasserschlosses
Hommage an einen Gebäudeveteranen, der im Kernbestand mittelalterliche und frühneuzeitliche Teile aufweist

„Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen“, hat Johann Wolfgang von Goethe einst geschrieben. „Was stehenbleiben soll, muss recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen.“ Der Dichterfürst mag bei seinen Worten zwar nicht zuvorderst ans Wasserschloss zu Sachsenheim gedacht haben, aber irgendwie erscheint seine Botschaft durchaus aktuell in Anbetracht der umfassenden Sanierung des mittelalterlichen Kleinods, das nach Abschluss der fast fünf Jahre währenden Arbeiten fürwahr eine Zier ist für die ganze Stadt bis ins Kirbachtal und darüber hinaus.

 

Restauratoren, Bauarchäologen, Statiker und Fachfirmen haben das Sachsenheimer Wasserschloss durchleuchtet, auf dass es für die Zukunft „recht steht“, wie Goethe schrieb. Ein bisschen war es während der Bauzeit für den Architekten Egon Bermeyer wie bei einer jener hölzernen Schachtelpuppen, in denen nach Öffnung die jeweils nächst kleinere zum Vorschein kommt. Kaum war eine Überraschung erkannt, kam bei der Generalsanierung des fast 1200 Quadratmeter Nutzfläche umfassenden Gebäudeveteranen schon die nächste. Nicht von ungefähr fühlte sich der Architekt bei dem Projekt mitunter an eine „Wundertüte“ erinnert. Um jeden alten Balken zu kämpfen, so lautet sein Credo, hat sich am Ende bezogen auf das Endergebnis mehr als gelohnt. Für ihn galt es vor allem, „die Seele“ des Kleinods zu erspüren und pfleglich mit ihr umzugehen, sodass sich am Ende die Geschichte und die Zukunft in einen Dialog treten, von dem alle Besucher profitieren.

 

Das Wasserschloss, das inmitten von Großsachsenheim seinen frühneuzeitlichen  Charme spielen lässt, dient seit 1962 als Rathaus. Fast fünf Jahre musste die Verwaltung im Zuge der Sanierungsarbeiten improvisieren, im August 2020 kehrte ein Teil der Belegschaft zurück. Ein anderer Teil zog in die gegenüber freiwerdenden Büros des Verwaltungsneubaus im Äußeren Schloßhof 3. Dies bedeutet für die Bürger zum einen, dass sie ihr denkmalgeschütztes Wahrzeichen zurück haben, und dazu noch eines, das den Geist der Geschichte atmet. Zugleich bedeutet es, dass am angestammten Platz in der historischen „Verwaltungshochburg“ jetzt wieder die bewährten Dienstleistungen auf kurzem Wege angeboten werden können. Auch für die Rathausmitarbeiter endet mit dem Einzug ins herausgeputzte Schloss eine herausfordernde Zeit, waren sie doch für lange Zeit auf verschiedene Standorte verteilt.

 

Gut 14 Kilometer von Ludwigsburg entfernt, dort, wo der Kirbach in die Metter fließt, der 477 Meter hohe Baiselsberg den Wanderer lockt, wo sich die Kleinsachsenheimer und die Großsachsenheimer, die Ochsenbacher, die Häfnerhaslacher, die Hohenhaslacher und die Spielberger ihrer eigenen Tradition bewusst sind und sich zugleich als Sachsenheimer fühlen, die nicht die Bietigheimer Zeitung abonnieren, sondern eben die Sachsenheimer, wo man die Feste feiert, wie sie fallen und am Wochenende eine Natur genießt, die ihresgleichen sucht – dort also gibt es von nun an wieder ein Wasserschloss, das für alle Bürger offen ist, in dem in pittoresker Umgebung die Steuer für den Hund bezahlt, der Bund fürs Leben geschlossen und der neue Pass beantragt werden kann.

 

Vor allem ältere Semester werden ihren Augen kaum trauen, denn im Wasserschloss ist nach der Generalsanierung vieles neu und anders – und doch ist bei alledem das denkmalpflegerische Ziel erreicht worden, eine „möglichst authentische Weitertradierung des angetroffenen Bestandes zu erreichen und die wertvolle historische Bausubstanz von 1500 zu erhalten“, wie es der Architekt formuliert.

 

Wenn man zurückspulen könnte, wie bei einem Film, so böte das Wasserschloss von Sachsenheim durchaus Stoff für eine spannende bauhistorische Bestandsaufnahme. Die Innenwände sind in den unteren Geschossen massiv und mächtig, im ersten Obergeschoss bestehen sie innen weitgehend aus verputztem Fachwerk. Das zweite Obergeschoss ist als vollständiger Fachwerkbau ausgeführt und nach außen hin auf die Ringmauer aufgesetzt. Das gesamte Anwesen ist von einem Ringgraben mit Grabenmauern aus Schilfsandsteinquadern umgeben. Das Schloss selbst weist außen ein Bruchsteinmauerwerk mit Steingliederung aus Schilfsandstein auf. Nach oben ist es durch ein ringförmiges, außen zwölffach gebrochenes Satteldach gekennzeichnet, das vor der Sanierung teilweise undicht war, was zu massiven Feuchtigkeitsschäden am Holzwerk führte. Die Sanierung war letztlich alternativlos, nachdem ernste Sicherheitsmängel immer sichtbarer geworden waren.  

Rissige und abgeplatzte Fenstergewände zwangen ebenso zum Handeln wie abgefaulte Sparren, morsche Deckenbalken, baufällige Fachwerkwände, von der instabil gewordenen Zugangs-Steinbogenbrücke gar nicht zu sprechen. Zudem wies das Schloss seit je teilweise extreme Fußbodenschrägen auf, die einen barrierefreien Zugang unmöglich machten.

 

Zu jener Zeit, als das Schloss den ersten Herren diente, achtete darauf noch keiner. Die Ersterbauung stammt aus dem14. Jahrhundert und wurde 1542 bei einem Brand zerstört. Das heutige Wasserschloss wurde 1544 durch Reinhard von Sachsenheim als zwölfeckiges Renaissance-Gebäude erbaut. Nach dem Aussterben der Herren von Sachsenheim ging das Schloss 1561 in den Besitz des Hauses Württemberg über. Seit 1828 war es wieder im Privatbesitz, bis es 1952 von der Stadt Großsachsenheim erworben wurde. Seit 1962 wird es als Rathaus genutzt.

Der Südflügel brannte 1823 völlig ab und wurde 1959 bis 1962 im Zuge der Renovierung des Schlosses wieder aufgebaut. Dabei fand man Reste des Bergfrieds der ursprünglichen Burg.

 

Der Zahn der Zeit nagte mit den Jahrzehnten kräftig an der Substanz, weshalb die Generalsanierung des 11.000 Kubikmeter Gesamtvolumen umfassenden Schlosses  sanierungstechnisch durchaus als dickes Brett zu bezeichnen war. 12,5  Millionen Euro kostete das denkmalrechtlich sensible Herausputzen am Ende, wobei ein erklecklicher Zuschuss von rund 50 Prozent aus den Denkmalschutzprogrammen von Land und Bund bestritten wurde. Ursprünglich waren insgesamt für die Sanierung acht Millionen eingeplant, wobei nicht nur die mit Schadstoffen belastete Außenfassade erheblich zur Kostensteigerung beitrug. Obendrein hatte sich das historische Fachwerkgefüge durch permanentes Eindringen von Regenwasser abgesenkt und verformt. Und wie das so ist, rächten sich manche Bausünde der Vergangenheit. So wurden einst falsche Materialien am Fachwerk außen verwendet. Und nicht zuletzt gab es da mit Fug und Recht auch noch denkmalschützerische Aspekte. So sollten alte Putzdecken mit Stuckprofilen ebenso erhalten werden wie alte Wandputze und teilweise mit Bemalungen versehene Bodendielen. Die alten Fenster sollten gleichfalls bleiben und wurden zur energietechnischen Aufwertung mit dem Einbau von dünnen Isoliergläsern aufgewertet. Moderne Telekommunikation sollte möglichst behutsam Einzug halten in den Gebäudeveteranen. Stromleitungen, moderne Heizung, barrierefreier Zugang – all das gehörte zum Programm und so forderte die Prämisse, so weit als möglich die alte Substanz zu erhalten und darin gleichzeitig moderne Elemente wie den Glasbereich im Flur zu integrieren, finanziell ebenfalls Tribut.

 

In der Umsetzung wurde das gesamte Renaissance-Schloss entkernt, die Decken wurden abgehängt, morsche Balken durch neue ersetzt, teilweise erhebliche Höhenunterschiede in den Fluren ausgeglichen. Rollstuhlgerecht ist das mit Aufzügen versehene Wahrzeichen jetzt auch  mit der nötigen Technik ausgestattet. Immer wieder kamen freilich unerwartete Dinge zum Vorschein. Schon bei den Vorarbeiten fingen die Überraschungen an. Dazu gehörten die bemalten Bretter aus dem 16. Jahrhundert, die eher zufällig entdeckt wurden. Ein Restaurator verrichtete sein Werk, die Sanierung stockte. Und dann waren da auch noch die Feuersalamander an der sanierungsbedürftigen Außenfassade des Burggrabens. Die Tiere sind zwar nicht denkmalgeschützt, wohl aber naturgeschützt und mussten aufwändig umgesiedelt werden.

 

Bürgermeister Holger Albrich, 2019 ins Amt gewählt, findet, dass sich das neue alte Wasserschloss sehen lassen kann. „Es ist ein richtiges Schmuckstück geworden“, sagt er. Manchmal muss sich der Schultes selbst in den Arm zwicken, um sich zu vergewissern, dass er nicht träumt. Der parteilose Verwaltungsjurist, der für die Freien Wähler im Kreistag sitzt, hat seine Kindheit in Sachsenheim verbracht. Im benachbarten Schloss-Freibad, auf das er nun aus seinem Amtszimmer blickt, hat er das Schwimmen erlernt und im Sommer immer viel Zeit verbracht. Nun zieht er als Bürgermeister in das generalsanierte Anwesen ein. „Für mich geht hier ein Traum in Erfüllung“, sagt er. „Ich danke insbesondere meinem Vorgänger Horst Fiedler, der die Sanierung mit dem Gemeinderat und der Verwaltung auf den Weg gebracht hat und dafür für die letzten Jahre seiner Amtszeit aus dem Wasserschloss ausziehen musste. Ich bin mir sicher, dass auch sein Vorgänger Andreas Stein, der im Wasserschloss 16 Jahre residiert hatte, mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist.“ Eine Einschätzung, die beide Ex-Bürgermeister bestätigen. Sowohl Horst Fiedler als auch Andreas Stein zeigten sich bei einem ersten Rundgang durch das generalsanierte Wahrzeichen sehr angetan. Es sei auf ganz besondere Weise geungen, so betonten beide, den Schutz eines Denkmals auf der einen Seite mit den Anforderungen an einen modernen. Bürgernahen und behindertengerechten Verwaltungsbau zu kombinieren.

 

Für Bürgermeister Holger Albrich war das Schloss immer schon ein Wahrzeichen seiner Heimatstadt. Und jetzt ist es auch wieder eines, das man vorzeigen kann und das allen Bürgern offen steht. Der neue Sitzungssaal im Erdgeschoss wird nun als Forum für kleinere kommunalpolitische Debatten dienen, das hübsche Trauzimmer eine neue Generation von Sachsenheimern „ewig“ in Erinnerung bleiben. Der Aufzug, der Licht und Transparenz“ ins Treppenhaus bringt, wirkt als Scharnier zwischen Alt und Neu und noch viele kleine und große Ecken, die gelungen in Szene gesetzt worden sind, freuen das Auge des Betrachters.

 

„Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehenbleiben soll, muss recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen“, schrieb Goethe. Am generalsanierten Sachsenheimer Wasserschloss hätte der Meister gewiss seine Freude gehabt.

Das Wasserschloss im Wandel

Das Wasserschloss im Wandel
Bildergalerie: Einblicke vom Schloss vor dem Umbau und die Bauzeit von 2016 bis 2020 inklusive Kranaufbau und Hammerschlag

Kranaufbau

Bilder: Lothar Makkens

Hammerschlag

Bilder: Stadt Sachsenheim

Einblicke ins Wasserschloss vor dem Umbau

Bilder: Posslerfotographie

Das "alte" Wasserschloss in all seinen Facetten

Bilder: Stadt Sachsenheim

Meilensteine der Sanierung

 

Hammerschlag:

Am 05.12.2016

 

Standzeit Kran:

April 2017 bis Juli 2020


Standzeit Gerüst:

Januar 2017 bis Ende März 2020


Dachsanierung:

Juni 2018 bis Juli 2019


Fassadensanierung mit  Natursteinarbeiten + innere Ringmauer: Januar 2017 bis Juli 2020


Aufzugeinbau inkl. Herstellung Aufzugsunter-/-überfahrt und Einbau Stahlschachtgerüst:

Mai 2017 bis Juli 2020


Innenausbau:
Oktober 2019 bis August 2020


Installation Haustechnik:
Juli 2019 bis Juli 2020


Brückensanierung inkl. Pflasterbelag: Januar 2020 bis Juli 2020


Außenanlagen:
Mai 2020 bis Juli 2020