Partnerstadt Valréas

Valréas - Unsere Partnerstadt in Frankreich

Ökumenischer Austausch der Kirchen von Valréas und Sachsenheim neu belebt

Bei spätsommerlichem und provenzalischem Flair konnte eine Delegation von 29 Mitgliedern unserer evangelischen und katholischen Kirchengemeinden die herzliche Gastfreundschaft unserer Freunde in Valréas genießen.

Vom 10. bis zum 13. Oktober 2025 fügte sich ein neues Puzzleteil an den seit 2002 bestehenden Austausch der Kirchengemeinden als Teil der seit 1994 währenden Partnerschaft mit der südfranzösischen Stadt Valréas. Besonderes Highlight in diesem Jahr war die Teilnahme des Posaunenchors der ev. Kirche Großsachsenheim unter Leitung von Martin Stein. Der Austausch wurde geleitet von Herrmann Albrecht, langjähriger und leidenschaftlicher Protagonist der Städtepartnerschaft und des Austausches unserer Kirchengemeinden. Seine Kenntnisse der „Jumélage“, seine fundierten Informationen über Land und Leute sowie seine tiefe Überzeugung zur Bedeutung internationaler Begegnungen, die auf Respekt und Freundschaft bauen, begleitete die viertägige Begegnung und ließ bei vielen den Funken überspringen.

Der ökumenische Austausch basiert auf langjährigen Besuchen, die vor der Corona-Pandemie jährlich stattfanden und für die sich besonders die ehem. Pfarrerin Britta Schleyer sehr engagierte. Der letzte Besuch in Valréas fand im Jahr 2018 statt und danach wurde der auf vielen Freundschaften basierende Austausch 2023 durch den Besuch der französischen Gäste in Sachsenheim wieder begonnen.

Schwerpunkt Corona
Tradition dieser Begegnung ist der Austausch über Themen, die Christen in beiden Ländern bewegen. In diesem Jahr war dies die Auswirkung der Pandemie auf das Leben und die Spiritualität in den Kirchengemeinden. Bei einem Gespräch mit Teilnehmenden aus beiden Städten wurden ähnliche Entwicklungen festgestellt: durch die Schließung der Gotteshäuser, das Verbot der Krankenbesuche, die beschränkte Personenzahl bei kirchlichen Veranstaltungen sowie die dadurch eingeschränkte seelsorgerische Nähe zu den Gemeindemitgliedern hat der Kontakt in den Kirchen gelitten. In beiden Städten wurden während der Krise digitale Formate des Gottesdienstes eingeführt und in Valréas werden diese bis heute angeboten. Der schon vorhandene Trend zur Säkularisierung und zu Kirchenaustritten wurde durch die Pandemie noch verstärkt. Die große Herausforderung für beide Gemeinden ist die Rückführung der Menschen in die Gemeinschaft und zu persönlichen Begegnungen. 

Gemeinsam im Glauben
Höhepunkte der Begegnung waren jedoch die beiden Gottesdienste, die durch die Begleitung des Posaunenchors besonders feierlich und durch die gekonnte Liedauswahl die deutsch-französische Freundschaft unterstreichen konnten. Pfarrer Dieter Hofmann von der Ev. Kirche Großsachsenheim und Diakon Albert Wild für die kath. Seelsorgeeinheit Stromberg gestalteten aktiv zwei Gottesdienste mit und berührten gemeinsam mit dem französischen Pastor Sébastian Fresse und Pfarrer Dominique Vallon die Herzen der Christinnen und Christen. Predigten, Gesang und Lieder griffen die Themen der internationalen Begegnung auf, erinnerten an die Wurzeln unseres Glaubens und die Bedeutung von Frieden und Freundschaft – beides besonders wichtig in Zeiten von Verunsicherung in Europa und der Welt.

Kultur und Geschichte der Provénce
Neben diesen konkreten kirchlichen Programmpunkten freuten sich die Gäste aus Sachsenheim, bei denen viele zum ersten mal in der Partnerstadt waren, über den Besuch typisch provenzalischer Orte zum Beispiel auf dem Weingut des katholischen Diakons Michelle Monnier und beim Imker Serge Bompard, einem Urgestein der Städtepartnerschaft. Auch wenn für Kultur wenig Zeit blieb, begeisterte das historische Valréas mit seinen Kirchen und Gassen.

Besondere Gemeinschaft
Herrmann Albrecht, der in seiner Delegationsleitung durch Gottfried Staudenmaier und Christine Fiedler hervorragend unterstützt wurde, resümiert die Begegnung wie folgt: „Neben der überwältigenden Herzlichkeit, mit der die Gruppe wieder von den französischen Freunden empfangen wurde, war dieses Mal deutlich spürbar, dass der Glaube verbindet. Unabhängig von der Konfession waren alle engagiert dabei und ganz besonders hat die Musik durch den Posaunenchor und den Gesang die Herzen geöffnet und uns als Christen eine besondere Gemeinschaft erfahren lassen.“

Text: Christine Fiedler

Das Komitee 

Das Sachsenheimer Komitee besteht aus Menschen, die sich gerne für die Partnerschaft engagieren. Nicht nur Delegationsbesuche gehören dazu, sondern auch Auf- und abbauten bei Märkten, Betreuung und Beherbergung der Gäste und die Organisation von Begegnungen. Finanziert wird das Komitee aus dem Haushalt der Stadt. 
Bis zu zwanzig Besuche und Gegenbesuche zu Stadtfesten, Weihnachtsmärkten oder sonstigen Festveranstaltungen finden jährlich statt. Zwischen den Schulen gibt es einen Schüleraustausch. Die Kirchen begegnen sich in einem Ökumenischen Austausch und es gibt die Möglichkeit für Jugendliche in die Partner-Verwaltung zu schnuppern. Auch im privaten Bereich hat sich viel getan. Es sind viele intensive Freundschaften entstanden, die seit Jahren in gemeinsamen Unternehmungen gepflegt werden. Es wurden Ehen geschlossen und Patenschaften übernommen und die Städtepartnerschaft ist für viele ein Teil des Alltags geworden. 

Sachenheim – Valréas: Das ist keine Partnerschaft der Verwaltung, sondern eine Freundschaft der Menschen - Vive le jumelage!

Frau Conny Mühlfelder
Kastanienweg 6
71739 Oberriexingen
Telefon: +49 152 55987425
E-Mail: conny.muehlfelder(at)gmx.de 

Frau Sibylle Weber
Maybachstraße 29
74343 Sachsenheim
Telefon: +49 7147 12331
E-Mail: sibylle-weber(at)gmx.de

Valréas - Unsere Partnerstadt in Frankreich

Vor den Toren der Provence liegt  die Stadt Valréas,auf halbem Weg zwischen Lyon und Marseille.
Durch die Launen der Geschichte ist die Stadt im Departement „Drôme“ gefangen, das wiederum im heutigen Departement „Vaucluse“ liegt. Und dann hat Valréas noch eine weitere Besonderheit. Sie ist die „Hauptstadt“ der Papstenklave. Diese „Enclave des papes“ umfasst neben Valréas noch die Städte Visan, Grillon und Richerenches, die sich zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschlossen haben. Im Jahr 2017 feierte die Region groß "700 Jahre Enclave des Papes". 

Der Mont Ventoux ist nicht weit entfernt und es herrscht in Valréas ein warmes, mildes Klima, das dem Weinbau zu Gute kommt. Manchmal ist aber auch der Mistral zu Gast, dessen meist kalter Wind der Stadt ein raues Klima verschaffen kann. Im Sommer erfrischt er die Gemüter.
Der Luberon mit seinen zauberhaften Städten wie Roussillon und die Ockerfelsen sind einen Ausflug wert. Avignon, Orange und Vaison la romaine bieten viel Geschichte. Die Ardèche lädt zu einer Kanufahrt ein und Rad fahren, golfen oder wandern kann man rund um Valréas ebenfalls.

Mit 10.000 Einwohnern ist Valréas „Kantonhauptstadt“. Sie ist zwar eine Industriestadt mit ihren berühmten Kartonagen- und Bürobedarffabriken, Kunststoffverarbeitung und Metall, aber durch den Wein, den Lavendel und das Obst doch sehr stark landwirtschaftlich geprägt. Besondere Kennzeichen der Gegend um Valréas sind die großen Lavendelfelder, die Trüffelfelder und die fast 1.200 ha großen Weingärten. Bei einem Besuch in Valréas, sollte man einen Blick in das sehenswerte Kartonagenmuseum werfen. Es lässt sich gut leben in der „Stadt mit der Seele eines Dorfes“. Sportliche, kulturelle und touristische Veranstaltungen und die Feste zeugen davon. Heraus ragen die großartige Johannisnacht (La Nuit du Petit St. Jean am 23. Juni) und der jährliche Lavendelcorso (le Corso de la lavande im August). Die Feste sind vielfältig, so gibt es das Weinfest (1. Augustsonntag) mit Beteiligung der Goutevins (Weinbruderschaft der Papstenklave), die Theaternächte (im August) und viele andere Feste mehr. Viele Feiern finden rund um das herrliche Schloss Simiane herum statt, das im XXII. Jahrhundert erbaut wurde und heute als Rathaus dient.

Sachsenheim - Valréas 

Der Weg von Brieffreundschaft zur Partnerschaft

Es war ein schwieriger Anfang, den so niemand erwartet hätte. Die langen Schatten der Geschichte  hatte man auf beiden Seiten unterschätzt. Und trotzdem war allen diese Städtepartnerschaft wichtig – und ist es heute noch. Aus den anfänglichen Sympathien sind inzwischen längst Freundschaften geworden. Begonnen hat alles mit einer Brieffreundschaft.

Als Sachsenheim 1989 auf der Suche nach einer Partnerstadt war, nahm man zunächst mit Chassieu in der Gegend von Lyon und Louveciennes, einem Vorort von Paris, Kontakt auf. Doch von beiden erhielt man Absagen. Da erinnerte man sich an Kontakte, die Christiane Hähnle nach Südfrankreich hatte. Seit 1980 unterhielt sie eine Brieffreundschaft mit France Vanel aus Valréas im Departement Vaucluse. Bürgermeister Andreas Stein und der Gemeinderat richteten eine offizielle Anfrage an ihre französischen Kollegen – und tatsächlich war man in Valréas nicht abgeneigt. So kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu persönlichen Begegnungen, nicht nur auf kommunaler Ebene. Auch zwischen den deutschen und französischen Vereinen entwickelte sich ein reger Austausch.  

Vieles passte von Anfang an – auch menschlich – zusammen. Beide Städte sind sich in gewisser Weise ähnlich, von der Größe und der Wirtschaftsstruktur. Und nicht zuletzt: beide liegen in Weinbauregionen. Nur den Lavendel hat Valréas Sachsenheim voraus. 1991 unterzeichnete man einen offiziellen Freundschaftsvertrag. Die Städtepartnerschaft sollte 1993 mit einem Festakt am 14. Mai in Sachsenheim und am 27. Juni in Valréas besiegelt werden. Alles war bereits vorbereitet, sogar eine französische Schulklasse war extra dafür nach Sachsenheim gereist. Doch völlig unerwartet scheiterten die Feierlichkeiten an der deutsch-französischen Vergangenheit. Am 10. Mai teilte Thierry Mariani, der Bürgermeister von Valréas seinem deutschen Kollegen Andreas Stein mit, dass die Städtepartnerschaft auf massiven Widerstand der örtlichen Kriegsveteranenvereine stößt und er deshalb die Vertragsunterzeichnung zunächst verschieben möchte. Hintergrund für die Proteste waren die Kampfhandlungen zwischen deutschen Besatzungstruppen und französischen Widerstandskämpfern in und um Valréas im Juni 1944. Nach einem Sabotageakt der Résistance besetzte die Wehrmacht den Ort. Bei den Gefechten und bei einer Massenerschießung gegenüber dem Grand Hotel starben 53 Franzosen. Wie durch ein Wunder überlebten fünf das Massaker schwer verletzt und konnten in Sicherheit gebracht werden. Einer erlag später seinen Verletzungen. 

Dieses Kriegsverbrechen war eine schwere Hypothek. Wie sollte es weitergehen? Auf der einen Seite die Hinterbliebenen der Opfer und die Überlebenden mit ihren schrecklichen Erinnerungen. Auf der anderen Seite die Menschen, die inzwischen Freundschaften geschlossen hatten und sich nichts anderes wünschten als Frieden. Die Mehrzahl der Vereine in Valréas erklärten sich für die Städtepartnerschaft. Mit diesem Rückenwind fuhren Anfang 1994 Bürgermeister Stein und der Realschulrektor Hermann Albrecht nach Valréas, um sich den schwierigen Gesprächen mit den Veteranen zu stellen. Am Ende machten diese den Weg für die Städtepartnerschaft frei, sodass der Vertrag am 25. Juni in Valréas und am 10. September 1994 in Sachsenheim unterzeichnet werden konnte. 

Seither verbindet die beiden Städte eine lebhafte Freundschaft mit vielen Austauschen der Schulen, Vereine, Kirchen, Organisationen und der Verwaltung. Die beiden aktiven Partnerschaftskomitees organisieren und unterstützen in beiden Städten die Begegnungen. Bei größeren Festen sind die Freunde aus der jeweiligen Partnerstadt längst nicht mehr wegzudenken – weder in Sachsenheim noch in Valréas. Laugenbrezeln sind in Valréas mindestens so begehrt wie Trüffelomelette in Sachsenheim. Getragen wird die Partnerschaft von zwei sehr aktiven Partnerschaftskomitees in Sachsenheim und Valréas. Christiane Hähnle war in Sachsenheim bis 2007  viele Jahre der treibende Motor dieser Freundschaft und legte Maßstäbe mit den qualitativ und quantitativ außergewöhnlichen Begegnungen. Ihr folgte Karin Wycisk nach, die die Partnerschaftsarbeit ebenso engagiert ehrenamtlich formte und voranbrachte. Sie leitete das Komitee bis zum 30. Jubiläum im Jahr 2024.

Ihr Kontakt

Bei der Stadt Sachsenheim