Historisches Sachsenheim

50 Jahre Stadt Sachsenheim: Junge Stadt mit viel Geschichte 

Die Gesamtstadt Sachsenheim ist eine junge Stadt. Sie entstand im Rahmen der Gebietsreform zu Beginn der 1970er-Jahre in einem mehrjährigen Prozess aus den sechs zuvor selbstständigen Gemeinden Großsachsenheim, Kleinsachsenheim, Ochsenbach, Spielberg, Häfnerhaslach und Hohenhaslach. Jede dieser heutigen Stadtteile hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Traditionen. Diese gelebte Vielfalt prägt Sachsenheim bis heute.

Und so ist die Geschichte Sachsenheims vor allem die Geschichte seiner Teilorte. Über die Jahrhunderte beherrschten viele verschiedene Herren und Institutionen das heutige Stadtgebiet. Wer wo das Sagen hatte, das bestimmten nicht selten dynastische Zufälle und wirtschaftliche Erwägungen. Am Ende waren die Herzöge und späteren Könige von Württemberg die großen Gewinner. Aber der Reihe nach: Die Gemarkung der Stadt Sachsenheim ist nachweislich seit der Mittelsteinzeit durchgängig besiedelt. Viele Spuren haben die Römer hinterlassen – vor allem in Form der zahlreichen villae rusticae. Diese römischen Gutshöfe waren aus Stein errichtet, viele davon mit einem eigenen Badehaus, Fußbodenheizung und Wandmalereien ausgestattet, und stellten mit ihrem Luxus das Symbol für eine neue Zeit dar. Zwischen 233 und 260 überrannten die Alamannen den Neckarlimes. Die römischen Siedlungen und Gutshöfe wurden geplündert. Wer nicht von den Germanen getötet wurde, verließ die Gegend und flüchtete auf die linke Rheinseite. Der Kulturbruch war bedeutend. Wann hier die ersten  alamannischen Siedlungen entstanden, und ob sie die Keimzellen der Stadt Sachsenheim und ihrer Teilgemeinden sind, lässt sich nicht einwandfrei bestimmen. Im Laufe des 6. Jahrhunderts kam das Herzogtum Alamannien unter fränkische Oberherrschaft. Aus dem ostfränkischen Reichsteil wurde über die Jahrhunderte das Heilige Römische Reich. Erst jetzt tauchten die einzelnen Orte ab dem 9. Jahrhundert, verstärkt im 11. und 12. Jahrhundert, in unterschiedlichen Schriftquellen auf, als befestigte Herrensitze oder als Grundbesitz von Adeligen und Klöstern. 

Stadtteil Großsachsenheim

Schriftlich erwähnt wurde der Ort erstmals im Urkundenbuch des Klosters Hirsau. Im Jahr 1090 schenkte ein gewisser Diemo von Sachsenheim und seine Söhne der Abtei Grundbesitz im Ort. Der Stammsitz der Herren von Sachsenheim lag vermutlich von Anfang an im Bereich des heutigen Schlosshofes in Großsachsenheim. Archäologische Ausgrabungen deuten auf eine durchgehende Befestigung des Areals vom 11. Jahrhundert bis zur Errichtung des Wasserschlosses im 16. Jahrhundert hin. Die als Äußere Burg oder Altsachsenheim bekannte Burganlage etwas südlicher oberhalb der Enz gelangte wohl erst Mitte des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Herren von Sachsenheim. Mit dem Aussterben ihrer Lehensherren, der Grafen von Vaihingen, wur- den die Herren von Sachsenheim 1364 Vasallen der Württemberger – nach anfänglichen Schwierigkeiten ein Glücksfall für die Familie. Der Ritter und Dichter Hermann (ca. 1369 – 1458) diente den Württembergern als Rat und Vogt. Sein ältester Sohn Jörg (1427 – 1508) brachte es als Jurist, Hermann (ca. 1430 – 1508), der Jüngste, als Landhofmeister und Diplomat am Hof in Stuttgart zu Ansehen und Reichtum. Er war es auch, der 1495 bei Kaiser Maximilian I. die Stadterhebung Sachsenheims erreichte. 1508 starben Jörg und Hermann ohne männliche Nachkommen und hinterließen Hermanns Schwiegersohn Reinhard von Sachsenheim als einzigem Erbberechtigten den umfangreichen Familienbesitz, zudem inzwischen auch wieder Kleinsachsenheim gehörte. Als 1542 eine Brandkatastrophe einen Teil von Großsachsenheim und die Burg vernichtete, baute er den Stammsitz als Wasserschloss wieder auf. 1561 erlosch das Adelsgeschlecht in der männlichen Linie. Der Ort fiel an das Haus Württemberg und wurde Amtsstadt, später sogar Oberamtsstadt. Im Wasserschloss residiert bis heute die Stadtverwaltung. 

Die folgenden Jahrhunderte brachten viel Unglück und Elend über Großsachsenheim. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen Plünderungen und Pestepidemien, der Pfälzische und Spanische Erbfolgekrieg und die Revolutionskriege dezimierten die Bevölkerung. Mitte des 18. Jahrhunderts leben in Großsachsenheim noch 600 Menschen. Die Hungersnöte Anfang des 19. Jahrhunderts und die Vernichtung des Weinbaus durch die Reblausplage führten in der ganzen Region zu Auswanderungswellen nach Russland und später nach Amerika. Die Lebensumstände verbesserten sich erst mit dem Bau der Eisenbahn 1853. Die Menschen wurden mobiler und damit verbesserte sich auch ihre Einkommenssituation. 1872 kam mit der Bandweberei Hermann Haag der erste Industriebetrieb nach Sachsenheim. Dennoch blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle. Bei der nationalsozialistischen Verwaltungsreform von 1938 wurde Großsachsenheim in den neuen Landkreis  Vaihingen  eigegliedert.  Besondere militärische Bedeutung erlangte der Ort im Zweiten Weltkrieg durch den nur zwei Kilometer südwestlich gelegenen Flugplatz der Deutschen Luftwaffe. Beiderseits der heutigen Landstraße L1125 nach Bietigheim kann man die Lage der alten Start- und Landebahn auf Luftbildern bis heute immer noch sehr gut erkennen. Der Bau des Flugplatzes erfolgte nach dem Zwangsverkauf des Geländes durch Großsachsenheim an das Reich im Jahr 1939 ab 1940 zunächst durch den Reichsarbeitsdienst. Dabei entstand ein Luftwaffengut, dessen Hauptgebäude heute noch steht. Ab 1941 führte die paramilitärische Bautruppe „Organisation Todt“ den Bau der 1.230 Meter langen Start- und Landebahn aus Beton durch. Dabei wurden zahlreiche Zwangsarbeiter eingesetzt, die in einem Barackenlager untergebracht waren. Im Sommer 1942 belegte eine Ausbildungsstaffel den Flugplatz, im Frühjahr 1944 ein Jagdgeschwader und ab Sommer 1944 Nachtjäger. Gleichzeitig begann die Organisation Todt mit dem Ausbau der Start- und Landebahn auf 2.000 Meter Länge. Dabei setzte sie in den Jahren 1944 und 1945 auch KZ-Häftlinge ein. Doch Ende März 1945 wurden die Nachtjäger vor den herannahenden Franzosen  in Sicherheit gebracht und nach Schließheim verlegt. Am 8. April 1945 besetzte die französische Armee den Flugplatz und stationierte hier eine Jagdfliegerstaffel. Anfang Juli 1945 übergaben sie den Flugplatz an die Amerikaner. Ein Teil des Barackenlagers war bereits 1943 zu einem zentralen „Krankenlager“ für schwerkranke und sterbende Zwangsarbeiter umfunktioniert worden, etwa aus dem nahen Durchgangslager Bietigheim. Hier fanden 668 osteuropäische Zwangsarbeiter den Tod, unter ihnen 23 Kinder und 33 Jugendliche. Im Kalten Krieg stationierten die Amerikaner auf dem Flugplatz Großsachsenheim Batterien von Flugabwehrraketen des Typs „Nike Hercules“. 

Wie alle Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg nahm Großsachsenheim nach 1945 eine große Zahl Heimatvertriebener aus den ehemaligen Ostgebieten auf. Die Bevölkerung stieg darauf stark an. Die daraus entstehenden Probleme wie etwa die große Wohnungsnot konnten nach der Gründung der Bundesrepublik und dem Einsetzen des „Wirtschaftswunders“ allmählich gelöst werden. 

Stadtteil Kleinsachsenheim

Im 12. Jahrhundert berichten die Quellen dann erstmals von zwei Siedlungen.  1140 wird neben dem bekannten Sachsenheim ein „kleineres Sachsenheim“ urkundlich erwähnt. Kleinsachsenheim wurde vermutlich von einer Nebenlinie der Herren von Sachsenheim gegründet, die hier eine eigene Burg und später ein Schloss errichteten. Beide Bauwerke sind heute nicht mehr vorhanden. Zudem befestigten sie den Ort mit Türmen, einer Ringmauer und einem Graben, was für ein Dorf in jener Zeit sehr ungewöhnlich war. Im Jahr 1561 ging nach dem Erlöschen des gesamten Geschlechts Sachsenheim in männliche Linie auch Kleinsachsenheim an Württemberg. Die Krisen des 17. und 18. Jahrhunderts mit Dreißigjährigem Krieg und mehreren Franzoseneinfällen überstand Kleinsachsenheim besser als das benachbarte Großsachsenheim. In jenen Jahren war Kleinsachsenheim zeitweise sogar das größere der beiden Sachsenheims. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist für Kleinsachsenheim mit einer Tragödie verbunden. Am 8. April 1945 marschierten französische Truppen in den Ort ein. Damit wäre der Krieg für Sachsenheim eigentlich zu Ende gewesen, doch am 12. April kam es völlig unerwartet zu Beschuss durch deutsche Artillerie. Es starben mehr als 40 Menschen. 

Stadtteil Hohenhaslach

Hohenhaslach ist mehr als 1.200 Jahre alt. Der Ursprung liegt im heutigen Ortsteil Niederhaslach. Er erschien bereits im Jahr 800 in einer Urkunde des Klosters Lorch als „Haselahe“. Im 13. Jahrhundert gründeten die Herren von Eselsburg auf dem Felssporn über dem Dorf eine zweite Siedlung und nannten sie Hohenhaslach, im Unterschied zu Niederhaslach unten am Kirbach. Hohenhaslach erhielt das Marktrecht und ein Rathaus. Die Herren von Bromberg stifteten die St. Georgskirche. Spätestens 1283 war der Ort von einer Stadtmauer umgeben. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich schon im Besitz des Grafen von Vaihingen, der ihn 1241 durch seine Ehe mit Agnes von Eselsburg erworben hatte. Im selben Jahr stifteten die Eselsburger auch das zwei Kilometer südöstlich gelegene Zisterzienserinnenkloster Rechentshofen als Grablege für ihr Geschlecht. Mit dem Aussterben der Grafen von Vaihingen kam Hohenhaslach dann an das Haus Württemberg. Unter den neuen Herren verlor der Ort an Bedeutung, konnte sich aber das Marktrecht erhalten. Wie alle anderen umliegenden Ortschaften wurde auch Hohenhaslach durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in den folgenden Jahrhunderten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Erst im 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerung langsam wieder an, und allmählich konnte die Siedlungslücke zwischen den Ortsteilen Hohenhaslach und Niederhaslach geschlossen werden. Haupteinnahmequelle war seit dem 11. Jahrhundert der Weinbau. Daher war der Schaden durch die Reblausplage im 19. und 20. Jahrhundert immens. Es dauerte lange, bis sich der Ort davon erholte. Das Pfropfen der Edelreben auf resistente amerikanische Unterlagssorten, verbesserte Anbaumethoden sowie 1969 die Gründung der Strombergkellerei und 2012 der Weingärtnergenossenschaft Stromberg Zaberngäu schufen solide wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Heute ist der Weinbau wieder rentabel und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Hohenhaslach. 

Stadtteil Ochsenbach

Ochsenbach wurde zweimal bei dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ausgezeichnet. 1993 gewann es sogar die Goldmedaille, 2003 die Silbermedaille. Nicht von ungefähr, gehört es doch zu den schönsten Orten der Gegend. Zahlreiche Fachwerkhäuser entlang der Dorfstraße zeugen vom frühen Wohlstand. 39 Gebäude stehen unter Denkmalschutz, das älteste stammt aus dem Jahr 1559. Reich wurde Ochsenbach mit dem Weinbau. Er ist seit 1268 bezeugt. Vermutlich damit in Zusammenhang stand auch der zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert geübte Brauch der Weiberzeche: Einmal im Jahr wurden die Frauen vom Schultheiß mit Brot und Wein bewirtet. Wie alt die Ortschaft wirklich ist, lässt sich nicht genau sagen. Wie Spielberg entstand sie auf königlichem Grundbesitz, gehörte anfangs ebenfalls zum Bistum Speyer und gelangte schließlich 1356 in den Besitz Württembergs. 1290 wird der Ort erstmals in einer Urkunde als Straßendorf erwähnt. Nach und nach gelangten der Weiler Kirbach, das Kloster Kirbach sowie Ländereien der ausgestorbenen Herren von Bromberg in den Gemeindebesitz und machten Ochsenbach zur größten Ortschaft im Kirbachtal. Den Dreißigjährigen Krieg überstand es besser als seine Nachbargemeinden. Nach Kriegsende errichtete Herzog Eberhard III. hier ein Jagdschloss mit Lustgarten und See und ließ einen Tiergarten und eine Fasanerie anlegen. Seit 1664 waren die Landesherren immer wieder im Kirbachtal zu Gast. 1750 wurde die Anlage schließlich aufgegeben und abgebrochen. Heute ist der Weinbau wieder von großer Bedeutung. Auf mehr als 80 Hektar werden bekannte und beliebte Sorten wie Trollinger, Lemberger, Portugieser und Silvaner angebaut. Ochsenbach ist aber auch für seine Fossilienfunde bekannt. Im Jahr 1936 entdeckte der deutsche Paläontologe Otto Linck das Skelett des ältesten Plateosaurus, der bis heute in Europa gefunden wurde. 

Stadtteil Spielberg

Wie alle Orte im Kirbachtal wechselte auch Spielberg im Mittelalter mehrmals den Besitzer.  Ursprünglich auf königlichem Rodungsland angelegt, gehörte es zum Bistum Speyer, dann den Grafen von Neuffen und schließlich den Edelfreien von Eselsburg und ihren Erben, den Grafen von Vaihingen. In einer Urkunde des Klosters Odenheim bei Bruchsal wird Spielberg 1332 erstmals namentlich erwähnt. Es wurde schließlich wie Hohenhaslach 1356 an die Grafen von Württemberg verkauft. Im Dreißigjährigen Krieg drohte dem Ort der Untergang. Nur eine von 155 Familien hatte die militärischen Auseinandersetzungen und Pestepidemien überlebt. 1799 war Spielberg so arm, dass die einsturzgefährdete St. Wendelkirche abgerissen werden musste. Für einen Ersatz war kein Geld mehr vorhanden und so besuchte die Gemeinde den Gottesdienst im benachbarten Ochsenbach. Heute ist der Ort für seine Mineralwasserproduktion überregional bekannt. Die Quelle wurde bereits im Spätmittelalter nach 1356 mehrmals als Sulzbrunnen erwähnt und unter anderem von den Mönchen in Maulbronn für seine heilende Wirkung geschätzt. 

Stadtteil Häfnerhaslach

Häfnerhaslach erwarb Graf Ludwig von Württemberg 1443 für 1.000 Gulden. Es war die letzte der Ortschaften im Kirbachtal, die in den Besitz des Hauses Württemberg gelangte. Anfangs gehörte es wie Spielberg und Ochsenbach dem Bistum Speyer, dann dem Kloster Odenheim und seinem Filialkloster Kirbach in Ochsenbach. Im 15. Jahrhundert entstand im Chorturmgewölbe der St. Remigius Kirche ein wertvolles Fresko, das die vier Evangelistensymbole darstellt. Das Gemälde wurde erst 1962 wiederentdeckt und mittlerweile restauriert. Es steht für den Reichtum des Ortes in dieser Zeit. Neben Landwirtschaft und Weinbau und einem umfangreichen Waldbesitz war es vor allem das Hafnerhandwerk, das seit ca. 1485 wirtschaftlichen Wohlstand sicherte. Zeitweise waren 100 Werkstätten mit der Herstellung der Tonwaren beschäftigt. Seit 1500 ist ein Tonkrug Teil des Wappens. Im Dreißigjährigen Krieg brannte ein Teil des Ortes ab. Nur die Hälfte der Bevölkerung überlebte die Kriegsgräuel.  Von diesen Verheerungen erholte sich Häfnerhaslach nur langsam. Als es im 19. Jahrhundert vermehrt zu Hungernöten kam, entschlossen sich viele Menschen zur Auswanderung nach Amerika. Heute ist der Ort mit seinen Fachwerkhäusern und seiner idyllischen Lage ein Touristenmagnet. Seit 1960 gehört er zum Landschaftsschutzgebiet Oberes Kirbachtal. 1995 gewann er bei dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ die Silbermedaille.