Vom Kirchturm weht die weiße Fahne – die letzten Kriegstage

Sonderausstellung Museum: "Sachsenheim unterm Hackenkreuz"

Sonntag, 8. April 1945: Ein deutscher Artillerieoffizier erbittet vom Pfarrer die Schlüssel für Kirche und Turm, um dort eine Beobachtungsstelle einzurichten – für die Kirche fast ein Todesurteil. Granaten schlugen ein, ein Dachstuhlbrand entstand, den Feuerwehr und Nachbarn ohne Opfer löschten. Als am Nachmittag der Beschuss zunahm, bestürmten verängstigte Bewohner den Pfarrer, die weiße Fahne auf dem Turm zu hissen. Mesner Karl Fähnle erklärte sich sofort bereit dazu – bei einer Rückeroberung der Stadt durch deutsche Truppen hätte ihm die Todesstrafe gedroht. Er hisste die Kirchenfahne, weiß mit violettem Kreuz. Schlagartig verstummte das Feuer, bald rollten die französischen Panzer durch die Straßen. 

So hatte ein Mann der Kirchengemeinde im entscheidenden Moment über das Schicksal der ganzen Stadt mitentschieden. Die Kirche selbst erhielt insgesamt rund acht Treffer; das Gemeindeglied Ernst Reule starb dabei durch einen Granatsplitter im Pfarrhaus. 

Evangelische Kirche Sachsenheim

Das Bild zeigt eine historische Kirche mit einem hohen Kirchturm und mehreren Personen, die vor dem Gebäude stehen.

Früher | 1939

Das Bild zeigt eine Kirche mit einem spitzen Turm und Uhr, umgeben von Bäumen und einem klaren blauen Himmel.

Jetzt | 2026