Der Krieg veränderte auch das geistliche Leben der Gemeinde. Regelmäßig wurden Kriegsbetstunden gehalten, im Sommer morgens, im Winter abends. Für jeden gefallenen Gemeindeangehörigen fand ein eigener Gedächtnisgottesdienst statt – oft der einzige „letzte Gruß", den die Gemeinde den Toten geben konnte, deren Gräber in fernen Ländern lagen. Die erste dieser Feiern fand im Juni 1940 statt, mit Beginn des Russlandfeldzugs 1941 wurden solche Gottesdienste immer häufiger. Selbst die Kriegerkameradschaft weigerte sich, eine Parteianordnung zu befolgen, die eine offizielle Beteiligung an kirchlichen Trauerfeiern verboten hätte. Einmal näherte sich sogar ein junger französischer Offiziersanwärter, ein protestantischer Student aus Lyon, aus eigenem Antrieb dem Pfarrer mit der Bitte um einen Gottesdienst für sich und seine Kameraden – ein Wunsch, der an der Sprachbarriere und der unklaren Lage der ersten Kampftage scheiterte, aber zeigt, dass der Glaube auch über die Frontlinien hinweg Menschen verband.